Barrierefreiheit

Barrierefreie Veranstaltungen

Ist eigentlich klar, denken viele: rollstuhlzugängliche Räume und WCs, zwischen der Bestuhlung hier und da Plätze für Rollifahrer/-innen frei lassen, Infrarotanlage bzw. Induktionsschleife für Hörgeräteträger/-innen und nach Möglichkeit eine(n) Gebärdensprachdolmetscher/-in und die übliche Mikrofonverstärkung. Das wär’s.

Wenn es so einfach wäre ...

Nach unseren Erfahrungen aber sind mehrfach und insbesondere auch psychisch behinderte Menschen bei jeder Veranstaltung auf weitergehende kommunikative Unterstützung angewiesen. Es gibt auch ertaubte Menschen, die nicht mit der Gebärdensprache zurecht- kommen, z. B. weil sie sie im Laufe ihres Lebens nicht erlernen konnten oder zusätzlich auch noch sehbehindert sind.

Um auch diesen Menschen eine effektive Teilnahme zu ermöglichen, ist es erforderlich, eine(n) Mitschreiber/-in (Laptop mit Video-Beamer) einzusetzen. Das gesprochene Wort kann damit visualisiert und u. a. auch für Sehbehinderte beliebig stark vergrößert werden. Wird dabei mit Tastaturmakros gearbeitet, ist eine „Live-Untertitelung" jederzeit möglich. Zudem mindert dies für viele Teilnehmer/-innen den Stress, sodass noch Kraft für die Mitarbeit/Diskussion übrig bleibt.

Auch gibt es taubblinde Menschen, die die Information in Braille benötigen. Ebenso nützen Beiträge in einfacher Sprache nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten, sondern auch vielen Gehörlosen, die Probleme mit der Schriftsprache haben. Sollte, aus welchen Gründen auch immer, die eine oder andere Hilfe nicht zur Verfügung gestellt werden können, ist es auf jeden Fall ein unabdingbares Erfordernis, dass Referate, Statements etc. in schriftlicher Form an die betreffenden Teilnehmer/-innen ausgegeben werden. Darüber hinaus gibt es weitere technische Kommunikationshilfen, die bei Bedarf auf jeden Fall berücksichtigt werden müssen. Das Argument: „Darauf sind wir nicht eingerichtet", ist auf keinen Fall zu akzeptieren.

Es wird ja des Öfteren von Gehörlosen verlangt, sie sollten sich ihre Dolmetscher/-innen selber mitbringen. Erstens ist dies für diesen Personenkreis nicht finanzierbar und zweitens würde auch niemand auf die Idee kommen, von Rollstuhlfahrer/-innen zu verlangen, dass diese ihre Rampen im Falle von Stufen am Veranstaltungsort dabei haben.

Außerdem ist bei Programmankündigungen darauf zu achten, dass für Rückfragen eine Fax-Nr. bzw. E-Mail-Adresse angegeben wird und selbige von den Verantwortlichen wie ein Telefonat behandelt, also umgehend beantwortet wird, denn Fax und Mail sind das „Telefon" der Hörgeschädigten.

Also in Zukunft bitte nicht nur rollstuhlfreundlich, sondern für alle: „barrierefrei".